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Neue Wege der Meditation

Praxiswoche mit Zentatsu Baker Roshi

Alle Materialien und Aufnahmen sind ab sofort unten verfügbar.

Aufnahmen der bisherigen Vorträge

Überblick

In dieser Praxiswoche wird Baker Roshi die Zazen-Praxis, die Praxis der stillen Meditation, detailliert und auf innovative Weise lehren. Mit den „Vier Haltungen im Zazen“ erforscht und differenziert er unterschiedliche Erfahrungsbereiche der Meditation, die mit speziellen Übungsanleitungen auf fruchtbare Weise entwickelt und verfeinert werden können. Dabei bespricht er auch häufige Missverständnisse in der Meditationspraxis. Diese Praxiswoche eignet sich für eine tiefe und umfassende Betrachtung der Frage, was Meditation ist und was sie sein kann. Die vier Haltungen umfassen:

1. Die äußer-körperliche Haltung

2. Die inner-körperliche Haltung

3. Haltungen der Imagination

4. Verwirklichung: Haltungen im Zazen und im alltäglichen Leben

Im Anschluss an jeden Vortrag wird es 45 Minuten lang moderierte Gesprächsformate und Gelegenheit für Fragen und Antworten geben. Zusätzlich bieten wir gemeinsame Sitzungen und Live-Streams ins Crestone Mountain Zen Center und das Zen Buddhistische Zentrum Schwarzwald an.

Zum Zoom-Link

Wir nutzen für alle Sitzungen (Vorträge, Austauschrunden und Zazen-Stream) denselben Zoom-Link. Wenn du dich in eine Sitzung einloggen möchtest, klicke einfach hier:

Meeting-ID: 816 3099 3196
Kenncode: 64327892

Zeitplan/Überblick
9.-16. Mai 2021

  • So, 9.5., 16-17:30 Uhr: Vortrag von Zentatsu Baker Roshi - "NEUE WEGE DER MEDITATION: 4 HALTUNGEN IM ZAZEN“" (live Übersetzung: Baden Roshi), anschließend Austausch
  • Mo, 10.5., 18:30-19:15 Uhr: Begrüßung und Eröffnung der Praxiswoche
  • Di, 11.5., 18:30-20:00 Uhr: „Die anatomische Haltung im Zazen“, anschließend moderierter Austausch
  • Mi, 12.5., 18:30-20:00 Uhr: „Die physiologische Haltung im Zazen“, anschließend moderierter Austausch
  • Do, 13.5., 18:30-20:00 Uhr: „Imagination und Visualisierung als Haltung im Zazen“, anschließend moderierter Austausch
  • Fr, 14.5., 18:30-20:00 Uhr: „Verwirklichung als Haltung im Zazen“, anschließend moderierter Austausch
  • Sa, 15.5., 18:30-20:00 Uhr: „Stille und Aktivität – Praxis im Alltag“, anschließend Frage und Antwort
  • So, 16.5., 10-11 Uhr: Abschlussrunde
  • So, 16.5., 18:30-20:00 Uhr: „Erwachen in der Welt des Alltags“, anschließend moderierter Austausch
  • Für die Morgen und Abendmeditation: Zazen-Live-Stream aus dem ZBZS
  • Alle Vorträge und Materialien stehen dir die gesamte Woche über zur Verfügung

Studienmaterialien - Auszüge aus den Vorträgen u. Transkripte

ImPulse

Es gibt den interozeptiven Raum und den exterozeptiven Raum. Interozeptiv bedeutet, dass du während des Tuns, die Signale des Körpers von innen empfängst. Wir können so Fachbegriffe nutzen wie afferent oder efferent und das bedeutet, dass der Informationsfluss einmal von innen und einmal von außen kommt. Gleichmut und Unerschütterlichkeit werden durch das Erkennen des wechselseitigen Fließens von interozeptiven und exterozeptiven ungeteiltem Körper- und Geistesraum hergestellt.
Ich nehme wahr, dass die Luft unsichtbar ist. Wahrscheinlich ist sie nicht unsichtbar, aber das Gehirn macht sie unsichtbar, solange sie nicht verraucht oder vernebelt ist. Aber die interozeptive Relationalität, das von innen her gespürte Beziehungsgeflecht ist unsichtbar. Dieses unsichtbare von innen her gespürte Beziehungsgeflecht kann gekannt werden, kann gespürt werden, aber nicht durch das Verstehen. Und ein Großteil der Zazenpraxis besteht darin diese von innen her gespürte Sensibilität entwickeln. In Dogens Fazikel „wings of enlightenment“ spricht er darüber, dass das Visualisieren des Körpers so ein interozeptives Samadhi ist. Uns fehlt die Weltsicht, die das interozeptive Wissen unterstützen würde.
Das folgende Beispiel entspringt aus Dogans Satz „kümmere dich um den Raum, der vom Körper besetzt ist.“. Wenn du dich aus den Hüften heraus aufrichtest, und du so ein Gefühl von Weite oder so ein Raumgefühl durch den Oberkörper hindurch hast, dann ist dieses Gefühl Teil deiner anatomischen Haltung. Es ist ein unsichtbarer aber erfahrbarer Teil deiner Anatomie. Also in dieser ersten Haltung im Prozess des Zazen, willst du im Grunde die Aufmerksamkeit in den Körper leiten. Zum Beispiel: Wenn ich mein linkes Bein nehme, und es in einen halben Lotussitz lege, dann spüre ich das Bein als eine Station der Aufmerksamkeit. Und ich benutze den peripersonalen Raum der Hände um Aufmerksamkeit in das Bein hineinzuleiten. Während ich das Bein so anhebe mit den Händen, kann ich andererseits auch spüren, wie das Bein Aufmerksamkeit zurück in meine Hände leitet. Wenn ich dann das Bein abgelegt habe, die Aufmerksamkeit zurück zur Wirbelsäule bringe, kann ich ab einem bestimmten Punkt spüren, wie die Aufmerksamkeit die Wirbelsäule hinaufströmt.
Das wird auch verstanden als eine Art von Visualisation, weil du es als etwas visuelles empfindest auf eine Weise, die nichts direkt mit dem Augapfel zu tun hat. Auch das hat zu tun mit der Visualisierung des diamantenen Sitzes.
Um interozeptives, inneres wahrnehmendes Erkennen oder Wissen zu entwickeln, fängt es mit einem der Orte an, mit dem in der Zen-Praxis begonnen wird, nämlich diesem Einfließen und Empfangen von Aufmerksamkeit in dem Raum, der den Körper enthält.

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Es geht um Dogens Aussage: „Schütze und kümmere dich um den Ort, der deinen Körper enthält.“ Wenn du zu einem Teenager oder zu irgendwem, z.B. auch mir in meinem Büro sagst, jetzt mach dein Zimmer sauber, räum dein Zimmer auf… ist dieser Raum gemeint?
Sagen wir mal du sagst zu einem Auto Designer, der die Innenausstattung von Autos designed: bitte designe den Innenraum des Autos so, dass der*die Fahrer*in sich sicher und bequem hinsetzen kann, das Auto sicher fahren kann und er*sie dabei seinen*ihren Körper spüren kann…. Was Dogen sagt geht eher in diese Richtung, als in Richtung „räum dein Zimmer auf, oder mach dein Kissen ordentlich“. Inzwischen wurde schon viel wissenschaftlich untersucht, dass das Gehirn den sogenannten peripersonalen Raum kreiert, also einen Raum, der die angrenzenden Objekte miteinschließt. Wenn ich den Lehrstab zum Beispiel vor mir halte, dann kann mein Gehirn den Raum bis hin zum Ende des Stabes mit einkalkulieren. Also es gibt diesen peripersonalen Raum, der in Beziehung steht zu den Händen, den Füßen, dem Kopf, dem Torso, wahrscheinlich einfach dem ganzen Körper. Der Gehirnraum, in dem ich mich befinde, geht jetzt im Moment bis zum Ende dieses Stabes. Diese Fähigkeit macht es dir möglich, dass du zum Beispiel ein Auto fahren kannst und mit erstaunlicher Genauigkeit das Auto so um die Kurve lenken kannst, dass auch der hintere Teil deines Autos nicht irgendwo anstößt, weil das Auto, und zwar ganz besonders für einen Rennfahrer*innen sein*ihr Gehirnraum ist.
Lasst uns davon ausgehen, dass in einer Welt, in der alles Aktivität und Beziehungsgeflecht ist, der peripersonale Raum etwas ist, was wir tatsächlich wahrnehmen können. Das öffnet dich für noch nachvollziehbare Phänomene, z.B. dass wenn du in der Nähe eines anderen Menschen bist, dann spürst du die Wärme der Person. Und wenn die Person sich zu dir verneigt, dann wird es wärmer. Du kannst ihren Geruch riechen, selbst wenn sie gerade gebadet haben und sich Deo unter die Arme geschmiert haben. Vielleicht spricht Dogen über diese Art von Raum.

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Und der sechste Körper der sechs Haltungen im Zazen ist das, was ich den gesellschaftlichen oder sozialen Körper nenne. Was meine ich damit?
Wie ich gestern schon gesagt habe, wir sind nicht ein Einzelwesen, sondern wir sind ein Vielheitswesen, ein Wesen aus vielen. Der Teil, der offensichtlich ist, ist, dass wir natürlich Anteile von unseren Eltern in uns tragen, dass wir aus den Menschen bestehen, die uns nahestehen und bestimmt auch ein Stück weit aus Figuren, die aus Filmen sind oder so die für uns wichtig sind.
Die Celebrity Kultur, die Kultur der Berühmtheit funktioniert dadurch, dass wir andere Menschen internalisieren und es ist diese Internalisierung einer Figur, die die Figur dann berühmt macht. Diese Celebrity Kultur das gabs eigentlich nicht als ich Kind war, da gabs zwar schon berühmte Filmstars oder so, aber nicht in der Form, wie das was wir heute meinen, wenn wir Celebrity Kultur sagen. Wenn das tatsächlich stimmt, dass wir nicht Einzelwesen sind, sondern Wesen aus vielen, dann müssen wir das natürlich mit einbeziehen in der Art und Weise, wie wir leben.

Wenn wir tatsächlich andere Wesen mit in uns aufnehmen, oder absorbieren, dann lasst es uns doch zu einer Praxis machen, wie wir diese anderen Wesen aufnehmen.
Ich spreche auf diese Weise darüber und teil das auf diese Weise mit euch, weil für mich all das hier eine Erforschung ist, etwas was ich erforsche. Und ich möchte dass das für dich/ für euch auch etwas zum Erforschen wird. Wenn ich mit euch teile wie ich das erforsche, dann regt euch das vielleicht eher dazu an, es auch zu erforschen und nicht zu sehr als etwas zu betrachten was man lernt und wo man denkt „ok für das und das gibt es ein buddhistisches Model, eine buddhistische Theorie und das ist wie der Buddha als eine Berühmtheit“.

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Wir lesen solche Texte (Instruktionen für Zazen) normalerweise so, als würde da stehen, lege deinen rechten Fuß auf deinen linken Oberschenkel. Oder dass deine Ohren direkt über deinen Schultern ausgerichtet sein sollten. Oder dass deine Nase ausgerichtet sein sollte an deinem Bauchnabel. Und die Spitzen deiner Daumen sollten auf der Höhe des Nabels sein. Und die Zunge sollte an deinem Gaumendach anliegen. Es ist so, dass es eine Beziehung zwischen den Kuppen deiner Daumen, dem Nabel, der Ausrichtung deiner Ohren, und der Spitze deiner Nase gibt, die fast wie eine unsichtbare elektrische Verbindung ist und Teil deiner subtilen anatomischen Haltung ist. Und wenn du die Zunge ans Gaumendach anlegst, dann wird dabei nicht nur der Speichelfluss vermindert, sondern gleichzeitig verbindet die Zunge am Gaumendach auch die Chakren miteinander.

Wenn du aus deinen Hüften heraus deinen Körper aufrichtest, dann wird der Oberkörper selbst zu einem Raum, nicht nur Rippen und Lunge oder so. Wenn du ein Gefühl für diesen Raum bekommst und diesen aufrecht erhalten kannst, dann hält es deinen Nacken und Kopf und diese Linie zum Kronenchakra an Ort und Stelle. Deine Anatomie sind also nicht nur deine Hände oder dein Brustkorb oder was auch immer, sondern es ist der Raum den du bilden kannst, den du erschaffen kannst, wenn du dich aus den Hüften heraus aufrecht erhebst.

Die Form eines Ballons ist nicht nur der zusammengepresste Ballon. Sondern die Form des Ballons kannst du entdecken, wenn du Luft hineinpustest. Wenn zum Beispiel ein Schriftzug auf dem Ballon steht, und du den Ballon zu groß aufbläst, dann kannst du die Schrift nicht mehr lesen und wenn der Ballon zu klein ist, dann kannst du die Schrift auch nicht lesen. Und in dieser vereinfachenden Metapher, damit meine nicht, dass der Raum den du entdeckst, wenn du dich aus der Hüfte heraus aufrichtest, ich meine damit nicht, dass das alles passiert, weil dein Brustkorb voller Luft ist, sondern vielmehr, dass dieses Sich-Aufrichten einen Raum erschafft, in dem deine Lungen atmen kann. Was ich dabei vorschlage oder impliziere ist, dass du mit einer bestimmten Aufrichtung und Subtilität in deiner Haltung die Schrift des Sutras des ganzen Seins lesen kannst.

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Zazen ist nicht auf das Sitzkissen begrenzt.
Wir haben so eine Tendenz zu denken, dass wenn ich Yoga praktiziere, dann mach ich das so: Ich kaufe mir eine Yogamatte und dann praktiziere ich das 20 Minuten am Tag oder so.
Aber aus der Perspektive buddhistisch yogischer Praxis ist jeder Augenblick Yoga. Du erforschst eine Wirbelsäule und das propriozeptive Spüren deines Körpers in jedem Augenblick, nicht nur in den 20 Minuten, in denen du sagst, jetzt praktiziere ich Yoga. Deshalb hört man manchmal auch Zenlehrer*innen, die sich fragen, oder die sagen, Zazen was soll das sein? Jeder Augenblick ist Zazen und da weiß mein zuerst nicht was damit gemeint ist. Da hätte ich zu den zwei jungen Männern sagen können, die da drüben neben Terry saßen, in dem Raum der Vergangenheit: ich hätte sagen können, ich versuche euch etwas über diese vier Zazen-Haltungen zu sagen, damit diese vier Haltungen in all euren Aktivitäten fließen können. Zum Beispiel ist eine dieser Regeln oder Richtlinien für einen buddhistischen Mönch ist, du lehnst dich niemals an. Du lehnst nicht einfach gegen eine Tür oder so. Es sei denn, du möchtest etwas ganz bestimmtes damit kommunizieren, weil du dich selbst und auch andere ständig über deine Wirbelsäule erspürst, oder im Kontakt mit deiner Wirbelsäule erspürst. Deine Wirbelsäule gibt dir deine propriozeptive Aufrichtung und dabei bleibst du die ganze Zeit. Du lehnst dich nicht einfach an anderen Gegenständen an.

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Lasst uns einige der einfachen, aber tiefgreifenden und weitreichenden Implikationen der grundlegenden Sichtweise, dass die Welt aus ihrer eigenen Aktivität heraus entsteht, betrachten. Eine Welt, die Welt aus ihrer eigenen Aktivität heraus entsteht, hat keine Realität. Was sie hat, ist Relationalität, Beziehungsgepflechte, Beziehungsinteraktionen, aber keine Realität.

Um dieses Thema „beschütze und kümmere dich um den Ort, der deinen Körper enthält“ zu besprechen, muss ich zunächst einmal klarstellen, dass die Unterscheidung zwischen „innen und außen“ bzw. „außen und innen“ in einer Welt der Relationalität keine Realität hat.
Selbst wenn ich sage, dass diese Unterscheidung zwischen „innen und außen“ keine Realität hat und ich sage, diese zwei haben nur Beziehungen, nur Relationalität, dann gibt es trotzdem natürlich immer noch einen Unterschied zwischen dem Tisch und mir selbst usw.

Aber die übergeordnete Sichtweise in der diese Worte eingebettet sind, die macht einen Unterschied und hier liegt die Betonung darauf, dass der Tisch zwar einen anderen Ort besetzt, aber keine andere Realität ist, sondern dass auch der Tisch in Beziehung stattfindet. Er hat deshalb keine separate Realität, weil die Relationalität ist immer wie ein Gewebe ist, das in jedem Moment ständig neu wechselseitig gewoben wird, und die Zwischenräume, das Dazwischen ist Teil seiner Tatsächlichkeit.

Die abendländische abrahamitische Weltanschauung klebt an der englischen und deutschen Sprache, es ist wirklich schwer, sie zu lösen.
Das Konzept von Verstehen im Sinne des englischen Wortes „Understanding“ was wörtlich übersetzt „unter etwas stehen“ ist, ergibt in einem Weltverständnis von Relationalität keinen Sinn.

Auf Deutsch ist es nicht ganz so – es ist „verstehen“. Aber dieses Bild „unter etwas zu stehen“ und damit das was man versteht, festzuhalten, diese Art von Betonung, die gibt es in einer Relationalität nicht.
Wenn du jedoch von einer Welt ausgehst, die der Grundidee nach von Außen erschaffen wurde, ergibt „understanding“ also „unter etwas stehen“ als Verstehen Sinn. So wie Atlas aus der griechischen Mythologie unter der Welt sein kann, dass Gott unter der Welt sein kann, sie hochhält und sagt: hier ist sie.

Wenn wir von einer Welt ausgehen, die als Relationalität und nicht als Realität verstanden wird, dann ist die Betonung des Unter-Seins und des Oben-Haltens der Welt als Verstehen, weil es da oben alles stabil ist, nicht wirklich schlüssig. Die Welt als ein Geflecht zu betrachten bedeutet, welches immer im Prozess ist und bedeutet, dass sich alles verändert. Wenn man sich also in einer Welt befindet, die sich in einem Prozess des multidimensionalen Webens befindet, möchte man nicht darunter sein/darunter-(ver)stehen. Man möchte inmitten des Webprozesses sein. Wenn man also in einem solchen mehrdimensionalen Geflecht ist, ist wieder und wieder und immer wieder Aufmerksamkeit oder ein Aufmerksamkeitsfeld gefragt.

Und erst wenn man wirklich spürt, dass man sich inmitten dieser multidimensionalen Aufmerksamkeit, dieser multidimensionalen Verflechtung befindet, macht Achtsamkeit in dieser Art von Weltsicht, dieser geistigen Haltung, wirklich Sinn. Die Entwicklung einer multidimensionalen, wechselseitigen Achtsamkeit ist also eine andere Praxis als die, die uns normalerweise als Achtsamkeit in einer Welt des Darunter-(ver)stehens und der Realität präsentiert wird.

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Es ist wie, nochmal wie Dogen sagt, der Drache, der das Wasser findet, das er braucht. Und er sagt, es ist wie der Tiger, der die unbegrenzte Freiheit des Berges findet. Und was das wiederum bedeutet, ist, dass wir nicht nur die Werkzeuge des Zazen benutzen, um den traditionellen Buddhismus zu entdecken, sondern tatsächlich wissen wir nicht so genau, was wir entdecken werden, so wie der Tiger nicht genau weiß, wie die Wildnis des Berges ist. Es ist vielmehr so, dass wir die Werkzeuge des Buddhismus verwenden, die über zweieinhalb tausend Jahren hinweg immer weiterentwickelt wurden, um herauszufinden, was unser Sein sein könnte und ohne genau zu wissen, was diese Möglichkeiten genau sind.

Er sagt nicht irgendwas Bestimmtes über die Beine, sondern er sagt: Stell dir vor, du säßest auf einem diamantenen Sitz, auf einem diamantenen Platz. Das ist buchstäblich die erste Anweisung. Und der diamantene Sitz steht für den Sitz des Erwachens unter dem Bodhi Baum wo der Buddha saß. Was ist die größere Vorstellung, Imagination, die da dahinter steht? Das ist, dass du nicht nur ein Wesen bist, sondern du bist ein „viele Wesen“, du bist ein Wesen im Plural.

Ich, als die handelnde Instanz, ich bin diese physische Person. Aber ich bin auch mein Vater und meine Mutter und es wird mir immer klarer, je älter ich werde.
Die allererste Anweisung die Dogen uns gibt ist, dass wenn du Zazen sitzt, dann musst du dir vorstellen können, dass du Teil dieses Feldes aller Wesen bist, von dem ein Teil das Erwachen ist. Er sagt, Zazen ist das unbeschränkte, ungehinderte Gefährt unserer Dharma-Vorfahren. Mahayana ist das Fahrzeug des Buddhismus. Er sagt Zazen, dieses „Hier-Sitzen“ dieser Raum des Hier-Sitzens ist das, um den man sich kümmert, es ist eine Art Fahrzeug, eine Bewegung, eine Aktivität, die die Aktivität unserer Dharma- Vorfahren ist. Er sagt das ganze Sein ist niemals getrennt von genau diesem Ort. Und dann sagt Dogen, wie kannst du glauben, dass Zazen eine Art und Weise ist, dass ganze Sein, aufzubessern oder zu polieren?

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Wenn wir uns auf so die Erforschung eines Konzepts einlassen, dann bemerken wir dabei oft, dass die Art und Weise, wie wir die Welt sehen und verstehen, sich stark verändert. Das Beispiel, was ich jetzt nehmen möchte, ist eine Praxis für uns: das Spielfeld der Brahma Viharas. Warum benutze ich dafür das Wort Spielfeld? Mein Lieblings-Basketballspieler, wie ich euch schon erzählt habe, neben Michael Jordan, ist Earl the Pearl Monroe. Als er mal gefragt wurde: wie planst du deine Bewegungen? Da hat er gesagt, ich plane meine Bewegungen nicht, wenn ich sie planen würde, dann würden ja auch alle anderen sie kennen oder erkennen.

Aus der Perspektive der Praxis ist das etwas leidseelig oder etwas schade, dass die meisten von uns sich über das Bewusstsein konstruieren. Die Einheiten des Bewusstseins, das sind Einheiten, die man irgendwie kontrollieren möchte. Aber Earl the Pearl, zumindest soweit ich das beurteilen kann, hat sich aus Momenten des Gewahrseins herauskonstruiert und nicht aus dem Bewusstsein. Er hat sich nie mit dem Ball identifiziert, sondern mit dem Raum in dem der Ball sich bewegt. Er hätte nicht versucht zu kontrollieren, wie er die Glocke schlägt, oder er würde nicht versuchen eine bestimmte Art von Klang zu erzeugen. Ob ihr es glaubt, oder immer noch glaubt, oder nicht glaubt, ich spreche immer noch über Zazen.

Die Brahma Viharas als ein Spielfeld zu verstehen, hilft uns dabei zu entdecken, wie wir mit anderen Menschen leben können. Die vier Brahma Viharas sind grenzenlose Freundlichkeit, empathische Freude oder Mitfreude, selbst Freude an dem Erfolg deines Feindes*deiner Feindin, Gleichmut oder Unerschütterlichkeit und Mitgefühl. Und ich glaube die meisten von uns würden denken, dass man diese Dinge praktizieren sollte, weil es eben schön ist, nett zu anderen zu sein. Aber nein… nun, doch klar ist es nett, nett zu sein, aber aus yogischer Perspektive praktizierst du diese Dinge, um deine eigene Empfänglichkeit zu erhöhen, deine eigene Fähigkeit andere Menschen zu empfangen oder sogar zu absorbieren, aufzunehmen. Wenn du einen Schwamm in einem Supermarkt kaufst, dann ist der erstmal trocken und ganz hart und absorbiert nichts, aber wenn du ein bisschen anfeuchtest, dann fängt er an absorbieren zu können. Auf die selbe Art und Weise sind diese vier Brahma Viharas Arten und Weisen, wie du eine Aktivität durchtränkst und aufnahmefähig machst, sodass du in dir selbst diese vier: Freundlichkeit, empathische Freude, Gleichmut und Mitgefühl empfangen kannst und auch in anderen empfängst. Du erschaffst dabei einen Körper, ein körperliches Feld, dass das Körperfeld anderer absorbieren/aufnehmen kann auf eine Art und Weise, wie du dir wünscht, dass die Welt eigentlich ist.

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