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zum rilke gedicht

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  • #11469
    eveline_ulmer
    Teilnehmer

    Rilke schreibt:
    Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
    die sich über die Dinge ziehn.
    Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
    aber versuchen will ich ihn.

    in mir tauchte hatte gestern spontan eine antwort auf das schöne gedicht auf:

    Und auch andersrum

    das leben lebt mich
    in fliessenden wellen
    im zulassen lern ich mitgestalten
    es gibt nichts zu vollbringen
    doch alles darf gelingen

    aber . . das erschreckt ja auch. ängste tauchen auf. werd ich denn da nicht einfach weggespült, hinweggefegt? wie ist dann entschiedenes handeln möglich? worin vertraue ich?

    immer wieder merke ich, dass ich mein leben doch schon gern <in den griff kriegen> möchte, so vieles nicht <zulassen> will – und dass <loslassen> fortwährend mut und freundliche zuwendung braucht. je neu. . . das wünsche ich uns!

    wie geht es euch damit?

    #11477
    Christine.Ingram
    Teilnehmer

    Hallo Eveline,

    Ich halte, dass etwas im Griff sein kann, für eine Illusion des Geistes. Ich kann gleich eine Tomate schneiden und alles ist möglich: von einem Salat bis zu einem Finger, der ab ist. Ich fahre zu einer Freundin und alles ist möglich: Ein wunderbarer Abend bist du einem schweren Unfall, Pflegefall oder gar Tod. Der Geist gaukelt mir , und zwar immer wieder, etwas anderes vor: Ich lebe in der Erwartung, dass das passiert, was ich mir vorstelle. Es gibt aber nur ein Jetzt.

    Früher habe ich losgelassen, weil ich dann vertraute, das es schon gut wird, also aus Mut und Zuversicht heraus. Lebenserfahrung lehrt mich, das nicht alles immer gut wird – zumindest nicht in den klassischen Kategorien gedacht. Die Dinge passieren halt wie sie passieren. Ich habe eine Freiheit darin gefunden in der Art, wie ich mich zu den Dingen stelle, die passieren. Das ist meine Handlungsfreiheit. Ich kann an allem wachsen, wenn ich mich nicht dagegen sperre.
    Und zum Glück ist glücklich sein nicht von den äußeren Zuständen abhängig (zumindest nach meiner Erfahrung). Erst im loslassen öffnet sich (-für mich-)das Tor zum glücklich sein.

    Und trotzdem möchte ich am liebsten den Schmerz vermeiden, der kommt, wenn die unangenehmen Dinge des Lebens bei einem Gast werden. Wie ich darin Gleichmut entwickeln kann, ist mir noch ein Rätsel.
    Herzliche Grüße
    Christine

    #11596
    Andrea Anglhuber
    Teilnehmer

    Liebe Evelyne, liebe Christine,

    ich lese gerade eure beiden Beiträge und bin sehr berührt davon. Danke für euer teilen! Ich kenne auch die ganze Palette. Es geht so schnell (und oftmals merke ich es in dem Moment gar nicht), dass mein Geist sich alles mögliche ausmalt und ein Bild der Zukunft zeichnet. Dieses Bild kann so stark sein, dass ich dann im tatsächlichen Erleben Dinge abwerte, ausblende… die mich schmerzen würden und nicht in dieses Bild passen. Das geht eine gewisse Zeit „gut“, aber nicht auf Dauer. Das Ausblenden, und mich gegen diesen Schmerz zu stemmen, kostet mich viel Kraft.

    Und ich habe auch schon erlebt, wie viel innerer Raum, Frieden und Freiheit sich in mir entfaltet, wenn ich zulassen kann, dass Dinge passieren, die mir sehr weh tun. Wenn ich den Schmerz erlaube, ihn „sein“ lasse, da sein lasse. In dem Schmerz habe ich auch schon viel Liebe gefühlt.

    „Das Leben lebt mich …“ schöne Zeilen von dir, Eveline!

    Danke für die gemeinsame Reise,
    Andrea

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